Systemtheoretiker
und Macher
Mein Lebenslauf sieht aus, als ginge es um mehrere Personen: Schreiner, Ingenieur, Unternehmer, Fachjournalist, Professor, Verantwortlicher für Transformation in der Verwaltung. Er enthält grosse Entwicklungssprünge. Doch nichts davon steht für sich: Jede Station baut auf den vorherigen auf, jede neue Erfahrung greift in die alten.
Zu jedem Sprung gehört das tiefe Eintauchen. Neues packt mich ganz: Ich arbeite mich ein, bis ich es nicht nur beherrsche, sondern weitergeben kann. So sind vier Tätigkeiten zusammengekommen, die durch alle Stationen laufen: Wirtschaften, Gestalten, Digitalisieren, Bilden. Und eine fünfte, die wichtigste, hält sie zusammen: das Verbinden. Systeme, Komplexität, Zusammenspiel.
“Erkenntnis entsteht nicht vor dem Tun.
Sondern durch das Tun.”
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Ich habe mit allem gewirtschaftet, was ein Betrieb sein kann. Mit dem Greifbaren: ein Produktionsbetrieb mit Material, Maschinen, Mitarbeitenden, Gebäuden, Fuhrpark. Mit Ideen: ein Innenarchitekturbüro zwischen Entwurf, Bauführung und Kostenkontrolle. Mit einem Produkt: eine komplexe ERP-Branchensoftware, vom Produktmanagement über die Standardisierung bis zu Firmenzukäufen und Internationalisierung. Mit Wissen: das Drittmittelgeschäft einer Fachhochschule, Forschung, Dienstleistung, Weiterbildung. Und einige Jahre auch aus der Distanz, nebenamtlich als Verwaltungsrat. Jede dieser Welten rechnet anders.
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Gestaltet habe ich in jedem Massstab. Räume: Arztpraxen, Optikergeschäfte, Ladenbau, Küchen, gehobener Wohnraum, Museumseinrichtungen, Umbau wie Neubau. Marken und Produkte: der Neuauftritt eines Softwarehauses, Messekonzepte, Bedienkonzept und Design der Software selbst. Heute Organisationen: Strukturen, Gefässe, Arbeitsformen. Die Konstante dabei: etwas neu, anders, besser machen. Inhaltlich, organisatorisch, formal. Geblieben ist auch das Auge: Grafik, Kunst, Architektur, Design, die Fotografie als ambitioniertes Hobby.
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Digitalisiert habe ich immer selbst, nicht delegiert. Im eigenen Betrieb: CAD statt Reissbrett, parametrische Modelle, CNC, ein ERP als Nervensystem der Firma, vernetzt mit CAD und CAM. In der Softwarebranche dieselbe Arbeit von der anderen Seite: Digitalisierung in vielen Unternehmen propagiert, beraten, eingeführt, dazu Industrie 4.0 und BIM. In der Forschung kam Künstliche Intelligenz dazu, lange bevor ChatGPT sie zum Alltagsthema machte: ein Institut für digitale Bau- und Holzwirtschaft gegründet, die «Werkstatt der Zukunft» als Reallabor aufgebaut, Digitalthemen unterrichtet. Heute, in der Verwaltung, gilt beides zusammen: Transformationsprojekte umsetzen und die Voraussetzungen schaffen, damit sie gelingen.
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Unterrichtet habe ich auf jeder Stufe der beruflichen Bildung: Lehrlinge im eigenen Betrieb ausgebildet, nebenamtlich Berufsunterricht gegeben, in Weiterbildung und Wiederqualifizierung gelehrt, auf Stufe Bachelor und Master doziert, eine Master-Vertiefung mit aufgebaut. Aktuell unterrichte ich nebenamtlich Betriebsökonomie in der Vertiefung Digital Government und im CAS Public Sector Transformation, dazu Weiterbildungen zu Künstlicher Intelligenz und den KI-Club als Co-Learning-Gefäss. Die andere Hälfte des Bildens ist das eigene Lernen: laufend, breit, systematisch, organisiert in einem persönlichen Wissenssystem. Wer lehrt, lernt doppelt.
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Das fünfte Thema ist keine weitere Fähigkeit. Es ist die Art, wie ich auf die Welt schaue. Entscheidend ist selten das Einzelteil; entscheidend ist, was zwischen den Teilen geschieht. Eine Organisation ist keine Maschine aus Zuständigkeiten, sondern ein Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen, Routinen. Wer sie verändern will, kann nicht einfach Teile austauschen, sondern muss die Verbindungen verstehen, aus denen sie sich täglich neu erzeugt. Die Systemtheorie hat mir dafür die Begriffe gegeben, die Komplexitätsforschung den Respekt. Und das Handwerk hat mir beigebracht, dass Verbindungen kein Denkmodell bleiben dürfen: Man muss sie bauen, fügen, belasten. Der Systemtheoretiker sieht die Zusammenhänge. Der Macher baut sie.